Ein dpa-Bild und seine Geschichte: Das Kettenkarussell im Sonnenuntergang

Besucher fahren am 20.08.2016 Kettenkarussell während dem Sonnenuntergang beim 5. Bergfest auf dem Kaliberg in Sehnde in der Region Hannover (Niedersachsen). Auf der sonst gesperrten Abraumhalde der Kalisalzproduktion – von der Bevölkerung “Kalimandscharo” genannt – haben am Wochenende hunderte Menschen gefeiert. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Viele meiner Fotos für die dpa Deutsche Presse-Agentur entstehen entweder auf Terminen oder ganz spontan durch zufällige Begegnungen. Hinter manchen Fotos steckt aber manchmal mehr Planung, als man auf den ersten Blick erahnen könnte. So wie bei meinem Foto vom Kettenkarussell mit der riesigen untergehenden Sonne. Die Geschichte hinter diesem Foto erzähle ich in diesem Blogeintrag.

Abseits des Terminjournalismus sind bei Nachrichtenagenturen immer auch schöne Fotos zu allen möglichen Themen gefragt. In den Sommermonanten sind das vor allem “Wetter-Feature”, also Fotos, die zeigen wie schön (oder im Sommer 2016 eher wie schlecht) das Wetter ist.
Seit 2014 wohne ich auf dem Land bei Sehnde in der Region Hannover – dort wo sich Hase und Igel gute Nacht sagen. Inmitten der Natur kann man natürlich besonders gut fotografieren. Aus unserem Wohnzimmer blicke ich auf den Kaliberg in Sehnde – einer Abraumhalde der Kalisalzproduktion.

Der Berg, den die Bevölkerung auch “Kalimandscharo” oder “Monte Kali” nennt, wird derzeit begrünt. Eines Tages soll der Berg für Wanderer freigegeben werden, bis dahin ist das Gebiet aber weiträumig abgesperrt. Nur alle drei Jahre findet auf dem “Gipfel” des Kalibergs ein Bergfest statt. Zum fünften Mal strömten nun am Wochenende 20./21. August Tausende Besucher auf den Berg.
Da ich aus unseren Dachgeschossfenstern gen Westen zu dem Berg blicke, habe ich schon hunderte Male schöne Sonnenuntergänge am Berg sehen können. Die Idee war also schnell da: Ein Foto vom Sonnenuntergang mit den Besuchern des Bergfestes.

Gesagt, getan. Aber das Unterfangen war schwieriger als gedacht. Ich musste erst einmal den richtigen Standort finden. Wo muss ich stehen, dass die Sonne genau hinter dem Bergplateau versinkt? Inmitten eines abgeerntenten Getreidefeldes hatte ich dann schon zwei Tage zuvor einen guten Standort gefunden. Mit Hilfe einer App auf dem iPhone konnte ich dann am frühen Samstagabend gut vorhersagen, ob die Sonne im Verlauf des Abends an der richtigen Stelle steht:

Als es dann endlich so weit war, zog eine breite Wolkenfront auf, die genau im falschen Moment die Sonne verdeckte. Unterhalb der Wolken war aber noch klare Sicht und ich wusste, dass die Sonne noch einmal kurz durch die Wolken scheinen würde. Dafür musste ich nur kurzfristig meinen Standort deutlich weiter “nach hinten” verlegen – um fast einen Kilometer. Ich musste beeilen, denn die Sonne geht schneller unter, als man denkt.

Am Ende sprintete ich über einen öffentlichen Weg auf einen Golfplatz am Mittellandkanal. Meine Entfernung von dort zum Kaliberg betrug ca. drei Kilometer:

Und ich hatte Glück: Die Sonne zeigte sich doch noch einmal zwischen Wolken und ging wie ein Feuerball am Horizont unter.

Besucher stehen am 20.08.2016 während dem Sonnenuntergang beim 5. Bergfest auf dem Kaliberg in Sehnde in der Region Hannover (Niedersachsen). Auf der sonst gesperrten Abraumhalde der Kalisalzproduktion – von der Bevölkerung “Kalimandscharo” genannt – haben am Wochenende hunderte Menschen gefeiert. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Meine ursprüngliche Idee war, die untergehende Sonne mit einem Superteleobjektiv zu fotografieren. Mit meiner Nikon D5, dem 600mm Objektiv und 1,7 Teleconverter hatte ich immerhin eine Brennweite von 1020 mm. Selbst damit kann man nicht die Sonne formatfüllend fotografieren, aber sie erscheint schon sehr groß.

Archivbild

Mein großes Glück war, dass sich das Kettenkarussell auf dem Bergplateau genau im richtigen Moment drehte. Von meinem Sprint über den Golfplatz war ich noch völlig außer Atem und ich hatte Schwierigkeiten, die schwere Kamera ruhig zu halten.
Ich veränderte nochmals meinen Standort und fotografierte das Motiv auch noch in etwas anderer Variante:

Besucher fahren am 20.08.2016 bei Sonnenuntergang Kettenkarussell beim 5. Bergfest auf dem Kaliberg in Sehnde in der Region Hannover (Niedersachsen). Auf der sonst gesperrten Abraumhalde der Kalisalzproduktion – von der Bevölkerung «Kalimandscharo» genannt – haben am Wochenende hunderte Menschen gefeiert. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Das nächste Bergfest auf dem “Kalimandscharo” findet erst im Jahr 2019 statt. Bis dahin kann ich mir ja noch ein neues Motiv überlegen :-)

 

Ski, Steigeisen, Fotorucksack – Paralympics Sotschi 2014

Vom 5. bis 18. März 2014 war ich für die dpa Deutsche Presse-Agentur bei den Winter Paralympics im russischen Sotschi. In diesem Blogeintrag berichte ich darüber, wie ich elf Tage lang sämtliche Ski-Alpin-Wettwerbe fotografiert habe.

Anna Schaffelhuber of Germany in action during the Women’s Super G – Sitting in Rosa Khutor Alpine Center at the Sochi 2014 Paralympic Winter Games, Krasnaya Polyana, Russia, 10 March 2014. Schaffelhuber won the Gold Medal. Photo: Julian Stratenschulte/dpa

Ski-Alpin zählt als eine der Königsdiziplinen der Sportfotografie. Es ist nicht nur technisch und fotografisch überaus anspruchsvoll, sondern vor allem körperlich sehr, sehr anstrengend. Es gibt Fotokollegen, die sich über Jahre hinweg auf diese Art der Fotografie spezialisiert haben, den FIS Weltcup regelmäßig fotografieren und auch bei Olympia an der Piste stehen. Ich gehöre nicht zu diesen erfahrenen Kollegen, will aber mit diesem Blogeintrag (auch im Respekt gegenüber diesen Kollegen) einmal zeigen, wie die Actionaufnahmen entstehen, bei dem Skifahrer beim Downhill, Super G und Riesenslalom den Berg hinunterrasen, springen und den Schnee hochwirbeln.

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