Flügelperspektive beim Segelfliegen

Ein Segeflugzeug fliegt am 15.09.2007 im Licht der untergehenden Sonne über dem Sauerland. Foto: Julian Stratenschulte

Mehrmals im Jahr bekomme ich e-mails, in denen ich gefragt werden, wie ich die Segelflug-Fotos aus der Flügelperspektive realisiert habe. Grund genug im ersten Eintrag meines Blogs über die Entstehung der Bilder zu schreiben.

Im September 2007 (damals war ich noch Student und freier Fotograf) war ich beim Flugplatzplatz des LSC Oeventrop ( http://www.lsc-oeventrop.de ). Von Kollegen hatte ich gehört, dass jemand im Verein eine flügelumspannende Kamera-Halterung für einen Segelflieger gebaut hatte. Die Vereinsmitglieder waren überaus hilfsbereit und beim Flugplatzfest durfte ich meine Kamera auf die gefederte Platte schrauben (an der Platte war einfach eine Stativschraube). Die CANON EOS 5D mit EF 20mm 1/2.8 Objektiv war eigentlich zu groß für die Halterung – erst nachdem ich den Deckel vom Batteriefach abgenommen hatte, passte die Kamera auf den Milimeter genau (viele Kratzer inklusive).

Ausgelöst wurde die Kamera dann mittels Funkauslöser Pocket Wizard. Es war ein zweisitziger Segelflieger. Ich konnte also hinter dem Piloten Platz nehmen und die Kamera selbst auslösen. Nachfolgend Fotos von der Konstruktion und den Vorbereitungen:

Bis zum Start hieß es allerdings langes Warten – und das genau war im Nachhinein mein großes Glück. Als wir gegen 19.00 Uhr endlich abhoben, sorgte die untergehende tiefstehende Sonne für traumhaftes Licht. Die Kamera war auf ISO 1000 und Zeitautomatik 1/1000 sec eingestellt (eine Blende unterbelichtet) – und auch das funktionierte wunderbar.

Pilot Marco Hanses drehte einige Runden mit mir über dem Sauerland – und die Kamera hielt allen Erschütterungen stand.

Ein Vereinskollege von Marco flog immer wieder an uns vorbei. Mit war schon leicht mulmig, da der andere Flieger auch immer wieder ganz nah an uns vorbeischoss. “Mach dir keine Sorgen, das ist ein Lufthansa-Pilot. Der fliegt ganz andere Flieger”, beruhigte mich Marco.

Nach ca. 20 Minuten waren wir wieder am Boden – 450 Fotos inklusive. Die Fotos erschienen am darauffolgenden Montag in der Westfälischen-Rundschau. Ein Motiv wurde auch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) angekauft und verbreitet. So erschien das Foto u.a. auch auf dem Titel der Westfalenpost:

Nachdem die Bilder veröffentlicht worden waren, bekam ich auch einen besorgten Anruf einer älteren Dame aus Arnsberg: “Sie sind verrückt. Sie können sich doch nicht auf dem Flügel eines Segelfliegers festbinden und fotografieren!”

Im Nachhinein gehören die Segelflug-Fotos sicherlich zu meinen Lieblingsbildern. Ohne den LSC Oeventrop, deren Halterung und vor allem deren Unterstützung wären die Fotos aber sicherlich nicht möglich gewesen.

3 Gedanken zu “Flügelperspektive beim Segelfliegen

  1. Sehr schön; liest sich sehr interessant. Viel anders, als das die Kamera am Flügel befestigt wurde, konnte ich es mir auch nicht vorstellen.
    Weitere “Making of’s” sind erwünscht. :-)

  2. Toller, interessanter Blog, einzig, wenn die Bilder schon extra aufgehen könnten sie doch etwas größer sein.
    Ansonsten freu ich mich schon auf das nächste making of, muss jetzt mal schauen wie ich das abonniere….
    Grüsse :-)