Wie fotografiert man eigentlich die Energiewende?

Blitze zucken am späten Abend vom 10.06.2014 am Himmel über Windrädern bei Algermissen im Landkreis Hildesheim (Niedersachsen). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

In den letzten Monaten habe ich mich für die dpa Deutsche Presse-Agentur mit einem Thema ganz besonders auseinander gesetzt: Die Energiewende.

In deutschen Tageszeitungen, Online-Medien und Co. werden die Aspekte der Energiewende regelmäßig – manchmal beinahe täglich – thematisiert. Dazu bedarf es immer wieder passenden Fotomaterials.

Nur wie fotografiert man die Energiewende eigentlich?

Alles fängt dem Ausstieg aus der Atomenergie an. In Niedersachsen war und bin ich vor allem mit Fotos zu der Lagerung atomarer Abfälle beschäftigt:

Auch wenn man das obere Foto mit einem zwinkernden Auge betrachten kann, den Anwohnern an bereits bestehenden und möglichen Standorten für atomare Endlager vergeht schnell das Lachen.

Im maroden Atommüllager Asse war ich bereits mehrmals unter Tage:

Radioaktiv steht am 01.06.2012 in Remlingen (Kreis Wolfenbüttel) auf einem Müllsack, der im maroden Atommülllager Asse liegt. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

“Besser” gelagert ist der hochradioaktive Atommülllager im Zwischenlager in Gorleben:

Behälter mit hoch radioaktiven Abfällen (hinten) und einige Transporthauben stehen am 16.05.2011 im Transportbehälterlager im atomaren Zwischenlager in Gorleben. Seit 1995 werden im Transportbehälterlager Gorleben (TBL-G) ausgediente Brennelemente aus Kernkraftwerken zwischengelagert. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

In dem Zwischenlager ist der Zutritt für Fotojournalisten mittlerweile verboten – aus Sicherheitsgründen und Angst vor möglichen Anschlägen.

Bekannt ist Gorleben vor allem wegen der Castor-Transporte:

Der Castor-Transport fährt am 28.11.2011 ins atomare Zwischenlager in Gorleben ein. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Wenige hundert Meter weiter in Gorleben wurde seit Jahren ein Salzstock als mögliches Endlager erkundet:

Besucher besichtigen am 03.02.2012 das Erkundungsbergwerk Gorleben. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Nachdem die Bundesregierung also den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen hat, ist die Energiewende zu einem wichtigen Thema geworden. Die Bundesregierung sagt dazu (Quelle: http://www.bundesregierung.de/Cont…)

Die Energiewende wird die deutsche Energieversorgung komplett umgestalten, zum Wohle aller. Ziel ist es, eine der umweltschonendsten und energiesparsamsten Volkswirtschaften zu werden.

Die Regierung definiert die Energiewende wie folgt:

Der Ausbau der erneuerbaren Energien als Alternative zur Kernkraft ist die Grundidee des Konzepts. Der Energieanteil an der Stromerzeugung aus Sonne, Wind & Co. soll bis zum Jahr 2025 auf 40 bis 45 Prozent und bis zum Jahr 2035 auf 55 bis 60 Prozent ausgebaut werden. Schon heute sind die erneuerbaren Energien die Nummer 2 im Strommix mit rund 25 Prozent.

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist also ein zentrales Thema. Man nehme “Sonne, Wind & Co.” – und schon ist der Klassiker unter den Energiewende-Fotos fertig:

Die Silhouetten von Windrädern zeichnen sich am 14.11.2012 vor dem vom Sonnenaufgang rötlich verfärbten Morgenhimmel bei Sarstedt (Niedersachsen) ab. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Fotos von Windrädern – fotografiert wahlweise im Sonnenaufgang oder -untergang – gibt es viele. “Andere” Fotos zur Windkraft zu machen ist garnicht so leicht, weil man häufig “den Wind” auf den Fotos nicht sehen kann. Die Windräder stehen auf Fotos meistens still – eingefroren in einem Sekundenbruchteil. Den Wind sichtbar zu machen, ist mir erst selten gelungen:

Ein Mann springt am 17.05.2012 mit einem Kitelandboard über eine Wiese in Hannover. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Bei Hannover hat ein Künstler ein Windrad installiert, an dem Felder farbig leuchten. Je schneller sich das Windrad dreht, desto heller leuchten die Punkte. Mit einer Langzeitbelichtung sieht man sogar das sich drehende Windrad:

Ein Windrad mit bunten Leuchtfeldern bei Sehnde (Region Hannover), aufgenommen am 04.02.2014 mit dem Sternenhimmel (Aufnahme mit langer Verschlusszeit). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Ein Windrad mit bunten Leuchtfeldern bei Sehnde (Region Hannover), aufgenommen am 04.02.2014 mit dem Sternenhimmel (Aufnahme mit langer Verschlusszeit und verzogener Kamera). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Mit ein bißchen Glück und der richtigen Witterung gelingt einem manchmal auch etwas andere Fotos von Windkraftanlagen:

Windräder ragen am 09.10.2011 aus dem morgendlichen Nebel, fotografiert beim Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Besonders gute Motive bieten auch die Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee, die mein dpa-Kollege Ingo Wagner aus Bremen schnon oft beeindruckt in Szene gesetzt hat.

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Garnicht so einfach ist die Illustration von Sonnenenergie. Naheliegend sind natürlich Solaranlagen:

Schafe grasen am 28.08.2014 neben einem großen Feld mit Solaranlagen bei Algermissen im Landkreis Hildesheim (Niedersachsen) (Luftaufnahme). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Oder auch ganz einfach: Sonnenuntergang hinter einer Hochspannungsleitung.

Die Sonne geht am 06.02.2012 bei Laatzen (Region Hannover) hinter einer Hochspannungsleitung unter. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Momentan sind ohnehin Fotos von Hochspannungsleitungen bei Medien sehr gefragt: Der Großteil des Stroms durch Windkraft wird im Norden Deutschlands erzeugt – und muss mit Übertragungs- und Verteilnetzen nach Süddeutschland. Neue Stromtrassen werden derzeit geplant.

Ein Strommast mit einer Hochspannungsleitung steht am 15.07.2013 auf einem Feld bei Sehnde in der Region Hannover (Niedersachsen). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Gedruckt sieht das Foto dann zum Beispiel so in der Süddeutschen Zeitung aus:

Auch bei Nacht lassen sich Hochspannungsleitungen gut fotografieren – zum Beispiel mit dem Sternenhimmel:

Die nächtliche Langzeitbelichtung vom 27.10.2014 zeigt den Sternenhimmel über einer Hochspannungsleitung bei Sehnde in der Region Hannover (Niedersachsen). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Symbolisch kann man natürlich auch die Naturgewalten mit der Energieerzeuguung verbinden – wie einen Blitzeinschlag:

Blitze schlagen am 10.06.2014 bei Sehnde in der Region Hannover (Niedersachsen) hinter einer Hochspannungsleitung ein. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Diese Fotos werden besonders gerne gedruckt – zum Beispiel auch schon im SPIEGEL:

Momentan macht die Energieerzeugung aus Kohlekraft noch ca. 45% im deutschen Energiemix aus. Kohlekraftwerke sind auch ein gutes Fotomotiv – egal ob bei Tag oder Nacht:

Die nächtliche Langzeitbelichtung vom 27.10.2014 zeigt das Kohlekraftwerk Mehrum in Hohenhameln im Landkreis Peine (Niedersachsen). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Das Braunkohle-Kraftwerk Niederaußem in Bergheim-Niederaußem (Rhein-Erft-Kreis), aufgenommen am 18.11.2009 mit dem Abendhimmel. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Blauer Himmel spannt sich am Donnerstag (24.05.2012) über einem Windrad und dem Kohlekraftwerk Mehrum bei Hohenhameln (Landkreis Peine). Foto: Julian Stratenschulte dpa

Ein wichtiger Aspekt sind auch die Energiekosten. Dazu habe ich mal ein recht einfaches Symbolbild fotografiert: Eine Langzeitbelichtung von einem Stromzähler.

Der Zählerstand eines Wechselstromzählers in einem Haushalt in Hannover dreht sich am 14.10.2012 um eine Kilowattstunde weiter (Langzeitbelichtung). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Veröffentlicht wurde das Foto u.a. in der Tagesschau:

Die Energiewende hat unzählige Aspekte und wird auch noch viele Jahre dauern. Und in Zukunft wird mich das Thema mit Sicherheit auch weiterhin beschäftigen…

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