Paralympics London 2012

Vom 27. August bis zum 10. September 2012 war ich für die Deutsche Presse-Agentur (dpa) bei den Paralympics 2012 in London.

Nachdem ich 2010 für die dpa bei den Winter-Paralympics in Vancouver sein durfte, war die Freude sehr groß auch in diesem Jahr wieder die Paralympics fotografieren zu können. Was die Sportler dort leisten, ist absolut beeindruckend.

Ein solche Sport-Großveranstaltung macht richtig Spaß – jeder Tag ist spannend, abwechslungsreich, interessant und vor allem eines: Wahnsinnig anstrengend.

Wir waren mit einem vierköpfigen dpa-Team nach London angereist – zwei Sportredakteure, die sich um die Textberichterstattung gekümmert haben – und zwei Fotografen (dpa-Fotograf Daniel Karmann und ich). Hinzu kamen die Wortkollegen aus dem Londoner dpa-Büro und die Fotografen der European Pressphoto Agency (EPA) – ein Zusammenschluss mehrerer großer europäischer Nachrichtenagenturen – die auch die dpa mit Fotos aus internationaler Sicht versorgt.

Daniels und meine Aufgabe war es, in enger Abstimmung mit den Wortkollegen, die Paralympics aus deutscher Sicht zu fotografieren. Wenn es deutsche Medaillen gibt, wollen die deutschen Tageszeitungen natürlich Bilder von den deutschen Athleten haben – und genau darum haben wir uns gekümmert. Hinzu kommen noch nette Feature-Fotos und Bilder der großen Paralympics-Stars wie Sprinter Oscar Pistorius oder Sportler, die für überraschende Geschichten sorgen.
Insgesamt wurden an zehn Wettkampftagen über 500 Goldmediallen vergeben – unfassbar viele Entscheidungen. Hier die Übersicht zu behalten und immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, erforderte eine detaillierte Planung. Es gab zum Beispiel zehn verschiedene 100m Sprint-Finale bei den Männern – für jede Kategorie einer Behinderung ein eigenes Finale.
Schon im Vorfeld der Paralympics hatten wir vom Deutschen Behindertensportverband einen Plan bekommen, welcher deutsche Athlet wann startet. Ob dieser Athlet allerdings eine Medaille gewinnt, war oft schwer vorauszuschauen. Und sehr oft gab es parallel Entscheidungen an gänzlich verschiedenen Orten… Aber Daniel und ich haben uns gut abgestimmt – und letztlich hat alles gut geklappt.

Bevor es richtig losging, hieß erst einmal Sachen packen:


Technik:
2 x Nikon D4
1 x Nikon D3s
1 x Nikon D3
15mm 2.8 Fisheye, 24mm 1.4, 50mm 1.4, 300mm 4.0, 500mm 4.0
14-24mm 2.8, 24-70mm 2.8, 28-300mm 3.5-5.6, 70-200mm 2.8
2 x Blitz, 4 x Funkauslöser Pocket Wizard, Kabel, Speicherkarten, Akkus, Ladegeräte
Ministative, Einbeinstativ
MacBook Air 11″ mit Zubehör

Das meiste der Ausrüstung (3 Gehäuse, alle Zooms, 300er und 500er) passte in meinen ThinkTank Rollkoffer (der die Maße für die Flugzeug-Handgepäck hat). Ich bin also mit 24 kg Handgepäck geflogen. Eine Kamera hatte ich mir noch um den Hals gehängt.
Meine Kleidung war in meinem normalen Reisekoffer. Ich hatte besonders viel regentaugliche Kleidung eingepackt – aber in London schien zwei Wochen lang die Sonne :)

Nach der Ankunft am Montag (27.08.) haben wir uns direkt darum bemüht, die Trainingseinheiten der deutschen Athleten zu fotografieren. Die Leichtathleten trainierten am Dienstagmorgen um 7.00 Uhr (!). Wir waren auch einigermaßen pünktlich vor Ort – und die Athleten waren allesamt sehr nett und haben sich gefreut, dass wir Fotografen vor Ort waren. Eines meiner Fotos erschien am darauffolgenden Tag auf der doppelseitigen Titelseite der “TIMES”:

Das ist mein wohl größtes Titelfoto – und ich hätte es fast garnicht mitbekommen, wenn  dapd-Kollege Jörg Sarbach die Titelseite nicht einige Tage später zufällig entdeckt und mir mitgebracht hätte :)

Am Mittwoch ging es dann endlich richtig los: Die Eröffnungsfeier im Olympic Stadium war ein tolle Show – allerdings auch sehr lang. Um 3.00 Uhr waren wir wieder im Hotel – schon einmal richtig “platt” obwohl noch nicht ein einziger Wettkampftag geschafft war.

Unser Hotel war am ExCel-Centre (eine Art Messehalle, in der auch Wettkämpfe stattgefunden haben). So war der Weg dahin sehr kurz und mit den Medien-Shuttle-Bussen war man auch in ca. 20 Minuten im Olympic Park (hier war u.a. Leichtathletik, Schwimmen, Radfahren, Basketball).

Unsere Tage waren dann meistens sehr abwechslungsreich. Leichtathletik war z.b. morgens von 10 bis 13.00 Uhr und dann abends von 19.00 bis ca. 23.00 Uhr. Dazwischen hat man dann noch ein, zwei andere Sportarten fotografiert – und im Catering-Village am Main Presse Centre im Olympic Park etwas gegessen.

Für alle Sportstätten gab es eigene Photo-Manager, die uns Fotografen bei der Arbeit unterstützt haben und für die Organisation zuständig waren.

Im Olympic Stadium gab es mehrere Fotografen-Positionen. Neben dem Fotografengraben (im fast kompletten Stadionrund) gab es auch erhöhte Positionen. Für die großen Agenturen (Reuters, Getty, AFP, AP, EPA, PA) gab es sogenannte In-Field Akkreditierungen – also eine überschaubare Zahl von Fotografen, die Innenbereich des Stadions arbeiten durften. Wir hatten das Glück, dass dpa kurzfristig auch eine In-Field Weste für die kompletten Paralympics hatte. Das vereinfacht das Arbeiten enorm, kann man z.b. bei Wurfdiziplinen sehr nah bei den Athleten sein und auch ganz andere Perspektiven realisieren. Vorsicht ist nur geboten beim Speerwerfen – und bei den Paralympics gab es an einem Abend drei Speerwurf-Wettkämpfe (mit ca. 20 Meter Wurfweite) gleichzeitig. Da heißt es dann Augen-auf, dass man keine Entscheidung verpasst und Augen-auf, dass man den Abend überhaupt überlebt ;-)

Hin und wieder habe ich auch eine Remote-Kamera aufgebaut (eine Kamera, die per Funkauslöser ausgelöst wird) – zum Beispiel beim Weitsprung:

Meine Kamera ist die ganz Rechte (mit Plastikschutz vor dem Sand ;-) ) Die beiden japanischen Kollegen hatten nicht damit gerechnet, dass der Sand so weit fliegt. Ein Foto der Remote sah dann zum Beispiel so aus:

Gold medalist Markus Rehm of Germany jumps during the men’s long jump final F42/44 at the Olympic Stadium during the London 2012 Paralympic Games, London, Great Britain, 31 August 2012. Photo: Julian Stratenschulte dpa

Bei wichtigen Entscheidungen mussten wir die Fotos auch schnell senden. Wir suchen die Fotos selbst aus, bearbeiten sie (Helligkeit, Kontrast, Farben, Ausschnitt usw.), beschriften sie und schicken sie in unsere Fotoredaktion in Berlin. Dort schaut dann ein Fotoredakteur über die Fotos (Vier-Augen-Prinzip), kontrolliert den Text, checkt Namen gegen, schneidet das Bild ggf. anders und schickt es dann in den dpa-Bildfunk (oder auch nur ins Archiv) – und schon steht das Bild vielen Medien in Deutschland und weltweit zur Verfügung.
Insgesamt schickte ich in zwei Wochen ca. 900 Fotos.

Hin und wieder (leider sehr selten) hatte man auch die Zeit, nette Features zu schießen. Beim Schwimmen im Aquatics Centre gab es z.B. Unterwasserscheiben am Becken:

So konnte man nette Unterwasserbilder machen (wenn auch wegen der Scheibe nicht 100% scharf), aber dafür hat man auch keine nassen Füße gehabt ;-)
Nur Getty Images hatte eine eigene Kamera mit Unterwassergehäuse auf dem Beckengrund liegen.

Charles Rozey of France (l) and Maodang Song of China compete during the men’s 100m butterfly – S8 final at the Aquatics Center during the London 2012 Paralympic Games, London, Great Britain, 30 August 2012. Photo: Julian Stratenschulte dpa

Charles Rozey of France (l) and Maodang Song of China compete during the men’s 100m butterfly – S8 final at the Aquatics Center during the London 2012 Paralympic Games, London, Great Britain, 30 August 2012. Photo: Julian Stratenschulte dpa

Ab und zu gab es dann auch sehr erfreuliche Abrucke für Daniel und mich – so zum Beispiel auch das Titelfoto der Süddeutschen (mit einem Bild vom Rollstuhl-Tischtennis):

Die Zeit verging wie im Fluge. Der vorletzte Wettkampftag war für uns der längste Arbeitstag. Das nachfolgende Foto entstand um Mitternacht beim Bearbeiten der Fotos ;-) (leicht müde):

 Da aber alles gut klappte, war die Stimmung ausgelassen und wir hatten sogar Zeit mit einer echten Goldmedialle zu posieren.

Nach einer tollen Schlussfeier am 9. September 2012 freute ich mich auf einen entspannten Rückflug nach Hannover :)

MEINE 100 LIEBLINGSBILDER von den PARALYMPICS gibt es im Portfolio:
http://www.stratenschulte.de/london2012/paralympics.php 

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