Ein Bild und seine Geschichte: Die Sternschwimmer

Zwei Mädchen und drei Jungen liegen am 15.07.2013 sternförmig auf einer Holzinsel im Heiseder See bei Sarstedt im Landkreis Hildesheim (Niedersachsen). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

“Glück” – ein Wort, welches bei vielen meiner Lieblingsbildern eine große Rolle gespielt hat. Und auch bei dem Foto von den fünf Jugendlichen, die völlig entspannt das schöne Sommerwetter auf einer kleinen hölzernen Badeinsel im Heiseder See südlich von Hannover genießen, hatte ich viel Glück. Hier die Geschichte zu dem Foto, welches unter anderem auf dem Titel der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht wurde:

Montag, 15.07.2013 – die Terminlage für uns, das Landesbüro der Deutschen Presse-Agentur dpa in Niedersachsen, ist übersichtlich. Mit Initiativen und eigenen Geschichten stellen wir trotzdem ein spannendes Programm auf die Beine, mit dem unsere Kunden ihre Zeitungsseiten und Online-Angebote gut füllen können. Und für uns Fotografen gibt es so etwas wie das Sommerloch ohnehin nicht: Es gibt immer etwas Spannendes zu fotografieren.

Blauer Himmel, Sonnenschein, Schulferien – die Menschen zieht es ins Freie. Das Wetter sollte in den kommenden Tage eine größere Rolle in den Medien spielen. Mein Kollege und dpa-Cheffotograf in Hannover, Jochen Lübke, schlug vor, kurzfristig einen Flug mit einem Ultraleicht-Flieger zu “chartern”. Schon lange hatten wir vor, bei schönen Wetter über Hannover zu fliegen, um diverse Gebäude zu fotografieren und unterschiedliche Geschichten zu illustrieren. Bei dem Rundflug könnte man dann sofort nach Wetter-Bildern Ausschau halten. 

Bei der Flugschule Thomas Kiggen http://www.ul-schule.de am Hildesheimer Flugplatz bekamen wir kurzfristig einen Flug für den frühen Abend. Wie schon beim Hochwasser in Südniedersachsen Ende Mai hob ich wieder in einem kleinen Tragschrauber mit dem Piloten Peter Lauer ab.

Das Gute an dem offenen Fluggerät ist, dass man gut nach rechts und links fotografieren kann und man sich relativ gut bewegen kann. Man fühlt sich ein wenig wie auf einem fliegenden Gartenstuhl.
Als Kamera hatte ich eine Nikon D4 mit 28-300mm Objektiv dabei. Die Brennweite ermöglicht es, recht flexibel alle Motive aufzunehmen. Und mehr als 300mm kann man ohnehin kaum freihand wegen des “Fahrwindes” halten.

Wir flogen von Hildesheim über Sehnde nach Lehrte und von dort über das Autobahnkreuz Hannover Ost, den Altwarmbüchener See bis ans nordwestliche Ende der Stadt Hannover, dann über die Innenstadt und dem Maschsee zum Messegelände und von dort zurück nach Hildesheim.

Das schönste Foto entstand aber ganz am Ende des knapp 90-minütigen Rundfluges. Ich war eigentlich froh, dass es nicht mehr weit war bis zum Flughafen Hildesheim. Beim Kreisen und steilen Kurvenfliegen über der Innenstadt von Hannover war mir kurzfristig richtig übel geworden. Man muss sich das wie Achterbahnfahren vorstellen, nur das man dabei durch eine Kamera und ein wackelndes Teleobjektiv schaut. Zum Glück musste ich mich aber nicht über der Stadt aus dem Flieger übergeben…

Ich hatte also südlich von Hannover wohl gerade wieder Farbe im Gesicht, als ich relativ weit entfernt den Heiseder See mit einer hölzernen Holzinsel erblickte. “Ich glaub, da liegt ein Mensch auf der Holzinsel”, sagte ich über das Mikrofonsystem zum Piloten. “Lass’ uns doch da nochmal einen Bogen fliegen.”

Wir kamen näher, aber trotz 300mm Brennweite war die Holzinsel noch weit entfernt:

Ich traute meinen Augen kaum, als ich sah, dass auf der Badeinsel fünf Menschen sternförmig lagen. Wir kreisten zweimal in relativ hoher Flughöhe über den See. Ich wollte die Holzinsel aber formatfüllend bei 300mm Brennweite fotografieren. Pilot Peter ging tiefer und ich drückte beide Daumen, dass die fünf Jugendlichen genauso liegen bleiben – und uns nicht bemerkten. Hätte nur einer von ihnen nach oben geschaut, sich gedreht oder seine Position verändert, wäre das schöne Motiv nicht mehr möglich gewesen.

In einer letzten Steilkurve fotografierte ich nach unten. Mir war sofort klar, dass das kein alltägliches Foto war, was ich da gerade aufgenommen hatte. So viel Glück hat man nicht jeden Tag.

Ich hatte insgesamt knapp 42 GB RAW-Fotodateien aus der Luft mitgebracht (Speicherkartenwechsel in 1000 Fuß Flughöhe ist übrigens auch ein Erlebnis ;-) und brauchte zur Sichtung und Auswahl der Bilder viel Zeit. Viele Motive gingen dann aktuell in den dpa-Bildfunk und über Partneragenturen an Kunden in der ganzen Welt.

In Deutschland waren die “Sternschwimmer” dann schnell online zu finden:

Manche unserer Kunden bastelten mit meinen Luftaufnahmen auch ganze Fotostrecken für ihr Online-Angebot:

NDR http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/sommer1417.html
Neue Presse http://www.neuepresse.de/Hannover/Meine-Stadt/Hannover-So-schoen-ist-der-Sommer-von-oben
Hannoversche Allgemeine http://www.haz.de/Hannover/Fotostrecken-Hannover/Guck-mal!-Hannovers-Sommer-von-oben

Und auch im Fernsehen in der ARD Tagesschau lagen die Jugendlichen dann in der Sonne:

Am nächsten Tag freute ich mich über Abdrucke in den Tageszeitungen, unter anderem über ein großes Titelfoto auf der Neuen Presse in Hannover:

Im Online-Angebot der Neuen Presse stand zu meinen Luftaufnahmen “Wer die Perspektive wechselt, erkennt Alltägliches neu.”
Für meinen bevorstehenden Sommerurlaub habe ich mir fest einen Perspektivenwechsel vorgenommen: Ich werde zu der hölzernen Badeinsel im Heiseder See schwimmen – ohne Kamera.

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