Faszination Gewitterfotografie – Wie mich ein Blitzeinschlag zum Fotojournalismus brachte …

Ein Blitz schlägt am 06.07.2006 in der Altstadt von Arnsberg (Hochsauerlandkreis) während eines Unwetters ein. Rechts im Bild ist der illuminierte Glockenturm, das Wahrzeichen der Stadt, zu sehen. (AP Photo / Julian Stratenschulte)

Der Moment, in dem man zum Himmel blickt, einen gigantischen Blitzeinschlag sieht und man weiß “diesen Blitz habe ich gerade auf mein Foto gebannt” ist für mich Faszination pur. Man hält Augenblicke fest, die es nie mehr ein zweites Mal geben wird. Momente, die absolut einzigartig sind.

Mit einem Foto von einem Blitzeinschlag hatte ich im Sommer 2003 meinen ersten Abdruck in einer Tageszeitung überhaupt – und drei Jahre später war es auch das Foto von einem Blitzeinschlag, welches zu meinem ersten Foto für die dpa Deutsche Presse-Agentur werden sollte.

Aber der Reihe nach: Ohne einen Blitzeinschlag am 3. Juni 2003 wäre ich vielleicht nie Fotojournalist geworden. Damals zog eine Unwetterfront über meine Heimatstadt Arnsberg hinweg. Ich filmte und fotografierte vom Balkon meines Elternhauses aus – und am Ende hatte ich in der Tat ein paar Filmaufnahmen und Fotos von Blitzeinschlägen “im Kasten”:

Mit den Fotos ging ich als damals 17-jähriger zur Lokalredaktion der Westfalenpost in Arnsberg und bot die Fotos den Redakteuren an. “Wir schauen nachher mal auf die CD und schauen mal, ob etwas dabei ist”, sagten sie.
Am nächsten Morgen war dann ein Foto der Serie auf der Titelseite der Gesamtausgabe der Westfalenpost gedruckt. Mein erster Abdruck in einer Tageszeitung und dann direkt auf der Titelseite:

Westfalenpost vom 04.06.2003

Ich freute mich riesig und war mächtig stolz. Anschließend schickte ich das Foto noch zu Bildredaktion vom Stern und auch dort wurde das Bild wenige Tage später klein abgedruckt. Hans-Peter Junker, Nachrichtenchef des Stern und heute auch Chefredakteur vom Magazin VIEW, schickte mir damals noch persönlich die Ausgabe des Sterns und das Stern-Fotojahrbuch 2002 mit ein paar netten Zeilen: “Vielleicht finden Sie ja noch ein paar nette Motive in unserem Foto-Jahrbuch.” Ein nette Geste – und auch Jahre später erinnerte er sich noch an mich, als wie uns bei der Verleihung vom dpa Bild des Jahres in Hamburg trafen.

Von meinen ersten beiden Abdrucken motiviert entschloss ich mich dann 2003 von meinen Ersparnissen anstatt eines Rennrades eine “richtige” Kamera zu kaufen (–> zum Radprofi hätte es wohl nie gereicht ;-) . Ich ging zur Lokalredaktion der Westfalenpost (WP) und bewarb mich als freier Mitarbeiter. Die WP hatte keinen Bedarf, also ging ich eine Etage im Pressehaus höher. Dort saß die Lokalredaktion der Westfälischen-Rundschau (WR) und die Kollegen hatten reichlich Aufträge für mich. Als freier Mitarbeiter jagte ich von Termin zu Termin – von Schützenfesten über Karnevalssitzungen bis hin zu vielen Feuerwehreinsätzen. Neben Schule und später Studium schrieb ich fleißig Artikel und fotografierte vor allem ganze Fotostrecken. So nahm damals – vor 10 Jahren – alles seinen Anfang.

Gewitter haben mich in den Jahren immer wieder begleitet. Blitzeinschläge sind ein echtes Naturschauspiel in Sekundenbruchteilen und das im Foto festzuhalten, erfordert vor allem viel Glück.

Im Juni 2006 zog ein enormes Gewitter über meine Heimatstadt Arnsberg hinweg. Die Blitze zuckten in Sekundentakt über dem Nachthimmel:

Die Kombo aus drei Fotos mit dem gleichen Bildausschnitt zeigt verschiedene Blitzeinschläge in Arnsberg (Hochsauerlandkreis) am 06.07.2006 während eines starken Unwetters. Fotos: Julian Stratenschulte dpa/lnw

Ich bot die Fotos der Bildredaktion von Associated Press (AP) an, bei denen ich im Sommer 2005 ein Praktikum absolviert hatte. AP kaufte nur ein Foto aus Serie (das Aufmacherbild dieses Blog-Eintrages).

Ich schickte die anderen Motive an die dpa Deutsche Presse-Agentur. Martin Gerten, Cheffotograf der dpa in Düsseldorf, war begeistert und kaufte gleich die komplette Serie. So war damals auch ein erster Kontakt zur dpa gelegt und vor allem Martin Gerten sorgte später auch dafür, dass ich dpa-Volontär wurde. Mein erstes dpa-Foto war also auch ein Blitzeinschlag – und das Bild gehört bis heute zu meinen meistgedruckten Motiven:

Ein Blitz schlägt in Arnsberg im Sauerland ein (Foto vom 06.07.2006). Foto: Julian Stratenschulte dpa/lnw

Das Foto schaffte es auf mehrere Titelseiten wie z.B von der WAZ:

WAZ

Und die BILD-Zeitung druckte das Foto sogar ganzseitig ab:

BILD

Tagsüber einen Blizeinschlag zu fotografieren, ist fast unmöglich. Dort stimmt die landläufige Meinung, man müsse just in dem Moment auf den Auslöser der Kamera drücken, in dem der Blitz einschlägt.

Nachts dagegen ist es technisch gesehen relativ einfach, einen Blitz zu fotografieren. Da wenig Umgebungslicht vorhanden ist, kann man einzelne Fotos mehrere Sekunden lang belichten – und alle Blitze, die in dem Zeitfenster im Bildausschnitt zu sehen sind, “brennen” sich auf das Foto. So ist es auch möglich mehrere Blitzeinschläge hintereinander auf ein einzelnes Foto zu bannen.

Die Kamera wird einfach auf eine Stativ gestellt. Die Belichtung kann man komplett manuell steuern – z.B. mit ISO 100 – Blende 10 und 8 Sekunden Belichtungszeit. Alles was man dann noch braucht, ist ein Blitz am Himmel. Und das ist pures Glück.

Natürlich sollte man auch einen sicheren Unterstand haben. Während eines Unwetters mit Starkregen und Blitz und Donner ohne Schutz auf einem offenen Feld zu stehen, ist ein besonderes Erlebnis. Aus eigene Erfahrung weiß ich aber, dass das relativ gefährlich ist ;-)

Im Juni 2008 fotografierte ich wieder heftige Gewitter:

Über dem illuminierten Schlossberg in Arnsberg im Sauerland schlagen am Mittwochabend (26.07. 2006) Blitze ein. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Kombo aus acht Fotos zeigt Blitzeinschläge am frühen Dienstagmorgen (03.06.2008) in den Wädern hinter der Altstadt von Arnsberg im Sauerland. Schwere Unwetter zogen in der Nacht über Deutschland hinweg. Fotos: Julian Stratenschulte dpa/lnw

Die dpa kaufte damals wieder die Fotoserie. Und ein Foto aus der Serie erschien auch wieder auf der Titelseite der Westfalenpost:

Westfalenpost vom 04.06.2008

Es war der 04.06.2008. Fünf Jahre nach meinem ersten Abdruck hatte ich auf den Tag genau wieder ein Gewitterfoto auf dem Titel der WP.

Große Hilfe beim Fotografieren von Gewitter sind die Infos der Meteomedia-Unwetterzentrale: http://www.unwetterzentrale.de/uwz/ sowie das Regenradar von Wetter Online mit einer recht zuverlässigen stundengenauen Vorhersage von Unwetterfronten: http://www.wetteronline.de/regenradar-prognose

Nicht nur Blitze faszinieren mich, sondern oft auch die mit Unwettern verbundenen Wolkenformationen. Am 20. Juni 2013 zog eine solche Front über Hannover hinweg:

Dunkle Wolken ziehen sich am 20.06.2013 über Hannover (Niedersachsen) zusammen und künden ein Gewitter an. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Mit der Gewitterfotografie ist allerdings oft auch Enttäuschung verbunden: Es gibt auch immer wieder Nächte, in den es zwar blitzt und donnert, aber man kein Blitzeinschlag auf ein Foto bannen kann. Die Ausschussquote ist teilweise enorm. Aber manchmal reicht halt auch ein einziger Blitz für das Foto, welches man sich gewissermaßen vorher ausgemalt hat.

Am Mittwoch (19.06.2013) war ich um 21.00 Uhr aus Berlin vom Obama-Besuch zurückgekommen und konnte trotz eines wegen der Hitze sehr anstrengenden 14-Stunden-Arbeitstages nicht schlafen: Meine Dachgeschosswohnung hatte sich auf 35°C aufgeheizt.

Anstatt zuhause weiter zu schwitzen, ging ich zum nahegelegenden Maschsee und fotografierte ein aufziehendes Gewitter. Mit dem dritten Foto hatte ich einen Blitz erwischt, der am nächsten Tag direkt im ZDF Fernsehen zu sehen war:

Anschließend entdeckte ich ein junges am Maschsee-Ufer. Ich hockte mich hinter das Liebespärchen und sagte Ihnen, “dass sie mich einfach nicht beachten sollten und gerne weiterknutschen könnten”. Ich schoss 70 Fotos mit jeweils 8 Sekunden Belichtungszeit – und auf genau einem Foto war ein Blitz zu sehen:

Ein junges Paar sitzt am 19.06.2013 am späten Abend am Maschsee in Hannover (Niedersachsen), als am Himmel Blitze von einem aufziehenden Gewitter zu sehen sind. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Vielleicht gelingt mir eines Tages auch solch ein Gewitterfoto, wie es im Jahr 1984 Johnny Autery aus Dixons Mills, Alabama, aufgenommen hat. Es zeigt einen Blitzeinschlag in einen Baum: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lightning_hits_tree.jpg

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.