Hochwasser in Niedersachsen

Ein Fahrradfahrer steht am 30.05.2013 auf einer vom Hochwasser überfluteten Straße bei Hannover (Niedersachsen). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die letzten Tage waren wir – meine dpa-Kollegen in Hannover und ich – mit dem Hochwasser in Niedersachsen beschäftigt. Am letzten Wochenende hatte es in Südniedersachsen stundenlang geregnet und infolgedessen traten zahlreiche Bäche und Flüsse über die Ufer.

Vom Harz bis nach Hannover und Braunschweig reichte das betroffene Gebiet. Für die Berichterstattung ist das nicht gerade einfach, weil zahlreiche Ortschaften betroffen sind – und man von den besonders stark betroffenen Orten berichten will. Am Montag waren wir also als Team unterwegs – in enger Absprache mit unseren Wortkollegen, die telefonisch bei Feuerwehren, Polizeistationen und Krisenstäben Informationen besorgten und an uns weitergaben. Ein Fotograf war im Harz, einer rund um Hannover unterwegs.

Ich war mit dem niedersächsischen Umweltminister am Montagvormittag im Schacht Konrad, dem ersten genehmigten Atomendlager in Deutschland. Als ich wieder über Tage war, meine Fotos von der Grubenfahrt geschickt hatte, kümmerte ich mich auch noch um das Hochwasser. Ich fuhr nach Braunschweig, denn auch dort sollten mehrere Straßen unter Wasser stehen. Die Feuerwehr hatte mir telefonisch verschiedene betroffene Gebiete genannt. Versehentlich bog ich in der Innenstadt falsch ab – und landete prompt an einer gesperrten Straße. Ich stieg aus uns sah von weiten, wie Anwohner gerade mit einer Leiter aus ihrem im Hochwasser stehenden Haus stiegen:

Anwohner einer überfluteten Straߟe steigen am 27.05.2013 mit Hilfe einer Leiter aus dem Fenster ihrer Wohnung in Braunschweig (Niedersachsen). Einer der Bewohner hat zum Spaߟ eine Taucherbrille aufgesetzt. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Einer der Bewohner hatte zum Spaß eine Taucherbrille aufgesetzt. Das nennt man schlichtweg einen Glückstreffer. Ich sendete die Fotos schnell und fuhr anschließend nach Holle im Landkreis Hildesheim. Dort wollte sich der Umweltminister ein Bild von der Lage verschaffen. Auf dem Weg dorthin kamen mir zahlreiche Ortsfeuerwehren mit Blaulicht entgegen. Ich fotografierte also flott den Minister und fuhr anschließend den Feuerwehren hinterher. In dem kleinen Ort Holle bauten gerade zahlreiche Feuerwehrleute einen Damm aus Sandsäcken:

Feuerwehrleute bauen am 27.05.2013 mit Sandsäcken einen Schutzwall vor dem steigenden Hochwasser in einem Wohngebiet in Holle im Landkreis Hildesheim (Niedersachsen). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Der Katastrophenschutz des Landkreises Hildesheim war vor Ort und gab mir noch zwei, drei Orte “in denen ich ja auch mal vorbeischauen könnte.” Also fuhr ich weiter nach Bockenem – auch hier waren über dutzende Feuerwehrkräfte im Einsatz:

Ein Traktor bringt am 27.05.2013 Feuerwehrleute auf einem Anhänger in ein vom Hochwasser überflutetes Wohngebiet in Bockenem im Landkreis Hildesheim (Niedersachsen). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

In meinem Auto habe ich immer diverse Gegenstände mit, die man als Fotograf gebrauchen könnte – Leiter, Wechselkleidung, Essen, Trinken – und auch Gummistiefel. So bekam ich keine nassen Füße. Und in stärker überflutete Gebiete nahm mich die Feuerwehr auf einem Radlader mit.

Nachdem sich in Bockenem abzeichnete, dass der höchste Pegelstand erreicht ist, fuhr ich wieder weiter. Im Radio hörte ich, dass sich die Lage in Braunschweig am Abend weiter zuspitzen sollte. Nach Telefonaten mit dem Lagezentrum der Feuerwehr und einigen Gesprächen vor Ort, stand ich dann bei Anbruch der Dunkelheit in einem Wohngebiet, in dem manche Häuser nur noch per Boot erreichbar waren:

Feuerwehrkräfte befahren am 27.05.2013 mit einem Boot ein vom Hochwasser überflutetes Wohngebiet in Braunschweig (Niedersachsen). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Ein Feuerwehrmann lehnt am 27.05.2013 erschöpft an einem Boot in einem vom Hochwasser überfluteten Wohngebiet in Braunschweig (Niedersachsen). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Ich war dann noch bis Mitternacht unterwegs. Auf dem Rückweg nach Hannover gab ich noch einige Informationen an die Wortkollegen der dpa-Redaktion in Berlin (24 Stunden besetzt), die noch in der Nacht eine Meldung zur Lage in Braunschweig verfassten.

Der Kilometerzähler meines Autos zeigte am Ende des Tages knapp 400 km an.

Am nächsten Morgen freute ich mich über den Blick in die Tageszeitungen:

Und auch im Fernsehen waren meine Fotos zu sehen:

Am Dienstagmorgen schien dann wieder die Sonne – und mein Kollege Jochen Lübke (dpa-Cheffotograf in Hannover) fragte mich, ob ich nicht Luftaufnahmen machen wollte. Klar wollte ich.

Schnell organisierten wir einen Flug mit einem Tragschrauber vom Flugplatz Hildesheim aus. Bereits eine Stunde nach dem Anruf war ich schon in der Luft:

Es war mein erster Flug in einem Tragschrauber – und ich hatte ein ziemlich komisches Gefühl in den ersten Minuten. Fasziniert vom Anblick des Hochwassers aus der Luft konzentrierte ich mich aber recht schnell auf das Fotografieren. Mit dabei hatte ich eine Nikon D4 mit einem 28-300mm Objektiv – die optimale Brennweite für solch einen Foto-Rundflug. Mein Pilot und ich flogen Richtung Süden – und als wir knapp hinter Hildesheim waren, sahen wir einen Regionalzug. Mehrere Minuten flogen wir vis-à-vis mit dem Zug und warteten, bis er durch überflutete Felder fuhr:

Ein Regionalzug der Deutschen Bahn fährt am 28.05.2013 bei Hildesheim (Niedersachsen) zwischen vom Hochwasser überfluteten Feldern entlang. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Bei dem knapp einstündigen Flug ergaben sich viele weitere Motive:

Der Fluss Innerste führt am 28.05.2013 Hochwasser neben einem Freibad in Hildesheim (Niedersachsen). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Hochwasser steht am 28.05.2013 bei Giesen im Landkreis Hildesheim (Niedersachsen) auf zwei Fuߟballplätzen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Hochwasser steht am 28.05.2013 auf Feldern rund um Schloss Derneburg im Landkreis Hildesheim (Niedersachsen). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Insgesamt schoß ich knapp 650 Fotos. 15 Motive bearbeitete, beschrifte und verschickte ich noch direkt von vor Ort. Schon wenige Minuten später waren die Fotos online auf verschiedenen Nachrichten-Homepages zu sehen.

Ein Foto schaffte es bis auf die Homepage der New York Times:

Auch die nächsten Tage waren wir mit dem Hochwasser weiter beschäftigt, wobei sich die Lage glücklicherweise deutlich entspannte.

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