Möhnekatastrophe 1943 – Ein früher Fotojournalist in meiner Familie?!?

Ein Kind steht vor der zerstoerten Moehnetalsperre im Mai 1943. (Foto: Stratenschulte) – Repro: Julian Stratenschulte / picture alliance

Im Mai 2013 jährt sich die Möhnekatastrophe zum siebzigsten mal. In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 wurde die Möhnetalsperre von der britischen Royal Air Force bei der Operation Chastise mit einer über das Wasser springenden, an der Mauer explodierenden Bombe gesprengt. Die Wassermaßen überfluteten das Ruhrtal und rissen 1200 Menschen in den Tod. Die britischen Piloten Lancaster-Bombern gingen als Dambusters (engl. “Dammbrecher”) in die Geschichte ein.

Vom Jahrestag erfuhr ich eher zufällig – ich fand einen Bericht im Landesdienst Nordrhein-Westfalen der dpa Deutschen Presse-Agentur (dpa)  sowie in der FAZ (http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/zweiter-weltkrieg-und-wieder-kommen-die-flugzeuge-12185229.html) – leider einen Tag zu spät. Zur Berichterstattung hätte ich gut historisches Fotomaterial beisteuern können:

Als Kind hatte ich in einen unserer Familien-Fotoalben alte Bilder von der zerstörten Möhnetalsperre entdeckt. Verwandte von mir (väterlicherseits) hatten damals die “streng verbotenen” Bilder aufgenommen. Schon damals fand ich die Fotos ein faszinierendes Stück Zeitgeschichte. Aber welches zwölf Jahre alte Kind denkt schon daran, welchen historischen Wert die Aufnahmen haben. Also legte ich das Album wieder weg.

Erst jetzt, als ich vom Jahrestag der Katastrophe las, dachte ich wieder an die Fotos – und kümmerte mich umgehend darum, die Bilder zu digitalisieren und über die dpa Picture-Alliance zu veröffentlichen.

Ein Kind steht vor der zerstoerten Moehnetalsperre im Mai 1943. (Foto: Stratenschulte) – Repro: Julian Stratenschulte / picture alliance

Schutzvorrichtungen schweben über der zerstoerten Moehnetalsperre im Mai 1943. (Foto: Stratenschulte) – Repro: Julian Stratenschulte / picture alliance

Manchmal werde ich gefragt, warum ich eigentlich Fotojournalist geworden bin – und ob es in meiner Familie Fotografen oder Journalisten gegeben hätte. “Nein”, lautete stets meine Antwort, “so weit ich weiß, hat es nie Jemanden gegeben.” Mein Opa (mütterlicherseits) ist zwar künstlerisch überaus begabt, aber ich scheitere schon an einer einfachen Zeichnung.

Dieser Tage frage ich mich allerdings schon, ob es in meiner Familie nicht doch (wenn auch verborgene) Fotografen-Talente gegeben hat. Die Fotos von der Möhnekatastrophe haben mich stutzig gemacht. Das Foto vom kleinen Junge vor der zerstörten Mauer gehört für mich zu den eindrucksvollsten Bilder der Möhnekatastrophe 1943. Unter journalistischen und fotografischen Aspekten sind die Fotos sehr gut.

Blick ist überflutete Möhnetal im Mai 1943 (Foto: Stratenschulte) – Repro: Julian Stratenschulte / picture alliance

Ich selbst habe ich schon mehrfach am Möhnesee und an der Talsperre fotografiert.

Im Januar 2009 war ich für die dpa Deutsche Presse-Agentur (damals noch als freier Fotograf) am Möhnesee, um über die Suche und den Fund eines ermordeten achtjährigen Mädchens in unmittelbarer Nähe der Staumauer zu berichten:

Die illuminierte Möhnetalsperre im dichten Nebel, aufgenommen am 14.01.2009. Foto: Julian Stratenschulte dpa

Spurensicherung an der Möhnetalsperre am 16.01.2009. Nach dem Fund einer Mädchenleiche am Möhnesee warten die Ermittler auf das Ergebnis der Obduktion. Foto: Julian Stratenschulte dpa

Sonnenaufgang über der Möhnetalsperre am 16.01.2009. Foto: Julian Stratenschulte dpa

Großes Unverständnis und Entsetzen (wenn auch mit einigermaßen professioneller Distanz) haben mich begleitet, als ich die Fotos im Jahr 2009 gemacht habe.

Ob meine Verwandten ähnliches gefühlt haben, als sie im Mai 1943 vor der zerstörten Möhnetalsperre standen und ihnen das Ausmaß der Katastrophe mit 1200 Toten bewusst wurde?

In den nächsten Jahre wird die Möhnekastrophe 1943 noch weitere weltweite Aufmerksamkeit erfahren: Peter Jackson (Regisseur “Herr der Ringe”) plant ein aufwendiges Remake des Films “Dambusters” aus dem Jahre 1955 über die Zerstörung der Möhnetalsperre.

Ich freue mich auf den Film – wird er doch von einem Stück Zeitgeschichte erzählen, von dem meine eigene Familie betroffen war.

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